„Die Energie- und die IKT-Branche gehören zusammen wie Muskeln und das Nervensystem“

Nürnberg, Bonn, 13.12.2011, www.ne-na.de – Alle sprechen vom Smart Grid– und doch versteht jede Branche etwas anderes unter dem intelligenten Energienetz der Zukunft, das die Energieerzeuger und -verbraucher vernetzen wird. Deutschlands größtes IKT-Projekt steckt noch in den Kinderschuhen: „Solange jede Branche nur auf ihre eigene Untertasse guckt, werden wir nicht zum Fliegen kommen“, kritisiert Martina Dietschmann vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies.

In die gleiche Kerbe haut der internationale Ingenieursverband IEEE-SA: Der Verband hat eine Richtlinie erstellt, wie die Kommunikation innerhalb des Smart Grids funktionieren sollte. „Wenn ich drei Stromanbieter frage, wie ich eine Solaranlage ans Netz anschließe, bekomme ich vier verschiedene Antworten. So bekommen wir nicht die `Economy of Scale´. Die Schnittstellen, die Protokolle, das Mapping müssen weltweit standardisiert werden“, sagt Direktoriumsmitglied Sam Sciacca in den VDI Nachrichten. http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Wir-brauchen-einen-globalen-Standard-fuer-die-Smart-Grid-Schnittstelle/56158/2

In Deutschland laufen zwar einzelne Pilotprojekte an wie auf der Nordsee-Insel Pellworm, wo das erste intelligente Stromnetz entstehen soll. http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Pellworm-wird-bald-zum-Smart-Grid-Labor/55901/2 Eine grundsätzliche, branchenübergreifende Debatte über die Standards und die Architektur des Smart Grids gibt es jedoch bisher kaum. „Die Telekommunikationsbranche und die Energie-Industrie leben in zwei völlig verschiedenen Welten. Wenn wir das neue Energienetz aber durch Kommunikationstechnologien steuern wollen, müssen wir es ganzheitlich betrachten“, sagt Dietschmann. Die Energiewende und damit der stetig wachsende Anteil dezentraler Energieeinspeisung in die Verteilnetze werde eine ähnlich disruptive Wirkung haben, wie sie die Telekommunikationsbranche in den vergangenen Jahren bereits erlebt hat.

An die Stelle weniger Versorger treten Millionen von Erzeuger, die per Solardach oder über kleine Windparks Energie einspeisen. Die volatilen Energieträger – wie Wind und Solar – müssen nahezu in Echtzeit gesteuert werden. Wenn beispielsweise ein Windpark ausfällt, muss die nächstliegende Stadt über andere Kanäle sofort weiterversorgt werden. Zugleich werden die Bundesbürger über ihre Elektroautos deutschlandweit Strom von unterwegs abzapfen. Über Smart Grid-Konzepte und die zugehörigen Smart Meter werden neben völlig neuen Geschäftsmodellen auch völlig andere Messstandards entwickelt, prognostiziert die Expertin des Netzwerkausrüsters. „Ein Messstellenbetreiber, der seit Jahrzehnten für die Energiebranche die Hauszähler kontrolliert, hat dies in der Regel nicht im Blick.“ Und auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Energie-Branche haben noch Defizite: „Überspitzt gesagt darf das Internet nicht mehr nur eine Fußnote in der Starkstrom-Vorlesung sein. Die Branche sollte sich das hohe Innovationspotenzial der IKT-Branche zu Nutze machen.“ Umgekehrt müsse sich die Telekommunikationsbranche mit der spezifischen Situation in der Energiebranche auseinandersetzen. „Solardächer und kleinere Windparks laufen über das Mittel- und Niederspannungsnetz. Genau dieses Netz wird über intelligente Kommunikationstechnologien gesteuert werden.

Die Nürnberger Netzwerkspezialisten verstehen sich als Schnittstelle zwischen Energie- und IKT-Branche. Auf der e-World 2012 stellen sie einen „Demonstrator“ für ihr Smart Energy Testing Framework vor, welches die verschiedenen Protokollstandards unter einen Hut bringt. Eine Testumgebung simuliert die gesamte Kette vom Smart Meter-Gerät bis zur Plattform, auf der die Datenpakete gesammelt und weitergeschickt werden. Dabei ist die Testumgebung „Carrier Grade“ gestaltet – sie funktioniert also zu 99,999 Prozent zuverlässig. „Carrier Grade bedeutet, dass das System eine Ausfallwahrscheinlichkeit von maximal fünf Minuten pro Jahr hat“, erklärt Dietschmann. Diese Stabilität werde vor allem in den Mittelpunkt rücken, wenn in Deutschland nicht mehr Pilotprojekte im Fokus stünden, sondern ein deutschlandweites Smart Grid. Denn das neue System muss Last tragen – und darf nicht bei jeder Schwankung ins Stocken geraten oder gar zusammenbrechen. Nur ein derartig stabiles Kommunikationsnetz erfüllt damit alle zukünftigen Anforderungen, die ein schon heute hochverfügbares Energienetz in Zukunft von einem Smart Grid verlangt.

Für Dietschmann ist letzten Endes klar: „Die Energie- und die Telekommunikationsbranche gehören für die Smart Grid-Entwicklung zusammen – so wie beim Menschen Muskeln und das Nervensystem.“ Wie stark die beiden Branchen zusammenwachsen wird sich auf der e-World zeigen.

Your Contact

Martina Dietschmann

Business Development Manager

+49 711 333501-6610
martina.dietschmann(at)nashtech.com